Seit 2 Wochen streikt der Seiteneinstieg in Wittdün …


Fahrgäste müssen über das Autodeck an Bord, der Seiteneinstieg streikt. ©Gerd Arnold

Weil die „veraltete“ Elektronik bei dem im August 2012 in Betrieb genommenen Seiteneinstieg in Wittdün nicht mehr mitspielt, kann diese weder von Bord der W.D.R.-Fähren noch von Land aus bedient werden.

Fahrgäste ohne fahrbaren Untersatz müssen seit dem 10. September 2023 wieder über das Autodeck an bzw. von Bord.

Der für den Seiteneinstieg zuständige Hydraulik-Service hat eine Fachkraft für SPS (SpeicherProgrammierbare Steuerung)-Programmierung eingeschaltet. Diese bestätigte einen anfänglich vermuteten Fehler in der elektronischen Steuerung.

Obwohl vorsorglich mehrere Steuerungselemente – hatten die Versorgungsbetriebe Amrum (VA Amrum) auf Lager – gewechselt wurden konnte eine Fehlerquelle nicht lokalisiert werden und so wurden die Arbeiten nach 2 Tagen eingestellt.

„Wir haben uns nun kurzfristig dazu entschlossen, die Steuerung komplett neu aufzubauen, was in naher/mittlerer Zukunft sowieso angestanden hätte, da die Verfügbarkeit von Ersatzteilen der alten WIPA-Steuerung nach und nach endet.“, so der Vorstandschef Christoph Hagenbruch von den Versorgungsbetrieben.

„Nach dem Neuaufbau, der auch die bisherige unstrukturierte Programmierung der einzelnen Funktionsbausteine, korrigieren soll, werden wir durch Fernzugriff und komfortablere Funktionsanzeigen zukünftig schneller in der Fehleranalyse sein und hoffen Ausfallzeiten eher zu vermeiden bzw. kürzer zu halten“, so Hagenbruch weiter.

Die Grundkomponenten für die neue Steuerung hat die Service-Firma auf Lager. Leider fehlen aber diverse Hilfskomponenten, der erst mit einer entsprechenden Lieferzeit bestellt werden müssen.

Aus diesem Grund wird der Ausfall des Seiteneinstieges leider noch etwas andauern. Die Störung wird wohl noch bis zur 41.Kalenderwoche (09.-15.10.2023) andauern.

Auch für die W.D.R. ist der Ausfall des Seiteneinstieges ärgerlich, die neuen Doppelendfähren sind für die Abfertigung der Fahrgäste über den Seiteneinstieg konzipiert. Das nun die Fahrgäste wie einst über das Autodeck an Bord gelangen bedeutet mehr Verladezeit, aber zu gravierenden Ausfällen ist es bisher nicht gekommen. Zum Glück sind derzeit weniger Fahrgäste unterwegs, aber schon zum kommenden Wochenende sieht es dann wahrscheinlich ganz anders aus. In acht Bundesländern beginnen die Herbstferien.

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Über Gerd Arnold

Gerd Arnold, 1957 in Nebel auf Amrum geboren. Ein „echter“ Amrumer mit der friesischen Sprache (öömrang) aufgewachsen. Bis 1972 die Schule in Nebel besucht, danach Elektroinstallateur in Wittdün gelernt. 1976/77 in Wuppertal den Realschulabschluss nachgeholt. Ab Oktober 1977 als Berufssoldat bei der Bundesluftwaffe und seit November 2010 Pensionär. Nach vielen Jahren der verzweifelten Suche nach passenden „bezahlbaren“ Wohnraum auf Amrum endlich fündig geworden, seit Februar 2022 wieder ständig auf Amrum. 2019 ins Team der Amrum News integriert, aber das soll neben dem Angeln nicht die einzige Aktivität auf der Insel bleiben.

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3 comments

  1. Wer in Georg Quedens’ alten Chroniken stöbert, wird immer wieder auf dieses Thema stossen. Quedens warnte nicht nur vor diesem unnötigen Technikgedöns, er sagte voraus, dass das auf Dauer unter den Amrumer Bedingungen nicht funktionieren würde. Natürlich hat man ihm kein Gehör geschenkt.

    Ich habe es jüngst miterlebt, wie alte Menschen mit ersichtlich wenig Freude ihr schweres Handgepäck die steile Treppe auf dem Schiff hinuntertragen mussten. Eltern mit Kleinkindern und Kinderwagen ebenso.

    Aber nun wird die alte, nicht funktionierende Technik — von der man überzeugt war, dass sie funktionieren würde — ja durch neue, funktionierende Technik ersetzt. Also wird alles gut.

    Oder doch nicht?

    „Unstrukturierte Programmierung der einzelnen Funktionsbausteine“, so wird Christoph Hagenbruch, der Vorstandschef der Versorgungsbetriebe, zitiert. Strukturierte Programmierung habe ich vor fast 40 Jahren in meiner Ausbildung gelernt. Das Konzept selbst ist fast 60 Jahre alt und seit einer gefühlten Ewigkeit ein internationaler Standard.

    Auf Amrum hat man vor gut 10 Jahren diese Brücke mit veralteter Software gekauft. Was befremdet mich bei dieser Feststellung? Welche „Fachleute“ haben das entschieden?

    Und wieso erinnert mich dieser Fall in seiner Grundsätzlichkeit an die namenlosen „Fachleute“, die dem Haus des Gastes in Nebel bescheinigen, dass es marode sei und abgerissen werden müsse?

    Frank Jermann

  2. Da bin ich doch schwer überrascht das eine Elektronik/SPS Steuerung von 2012 nach nur 11 Betriebsjahren schon als Veraltet gilt. Das Ersatzteile dafür dann Knapp würden ist heutzutage wohl eher Usus und m.E. der Hauptgrund für “Veraltung”. Aber das mag ich für das drumherum nicht glauben. Also für Schütze, Ventile, Sensoren, Endschalter u.s.w. für die es sicherlich Alternativen gibt. Eine neu konzipierte Steuerung muss dann auch erst unter Beweis stellen das sie zuverlässig(er) arbeitet verglichen mit dem Vorgänger. Mein Gesamteindruck ist eher gegenteilig, das Fortschrittliches um den Preis des Fortschrittlich-Seins die Zuverlässigkeit senkt. Denn um so komplexer eine Anlage wird, umso undurchschaubarer werden auch ihre Funktionen – und ihr Zusammenspiel.

    Ich hoffe nur das wird kein [Achtung: Buzzworte] Blockchain-Krypto-Zombie mit KI-Sahnehaube. Wenn das außerdem noch “in der Cloud” läge, würde ein Gewitter oder Internet-Ausfall gleich wieder den Seiteneinstieg lahm legen. Die Möglichkeit mit gesprochenem “Alexa/Siri aktiviere Seiteneinstieg” etwas zu automatisieren, oder Fehlermeldungen auf einem Schicken Tablet zu lesen rechtfertigt m.e. nicht die Eigentliche Steuerung von dem zu steuernden zu trennen.

    Genau dies Outsourcing passiert aber heutzutage oft, unter anderem bei den o.g. “Sprachassistenten”. 🙂 Hoffentlich nicht hierbei.

    Übrigens: Im Kern hat der Seiteneinstieg m.E. wie die Autobrücke die Schlichte Aufgaben “Hoch” und “Runter” zu fahren und auf Kommando (oder Endschalter/Sensor) zu stoppen. Beim ersteren dann noch die eigentliche Brücke runter/hoch klappen und das war’s. Natürlich steckt der Teufel wieder mal in den Details aber hey, ich denke den Grundbetrieb müsste man auch mit 1-2 Hydraulik-Ventilen manuell erreichen können – ganz ohne oder bei Kaputter (Hat die einen AUS-Schalter?) Steuerung. Wäre das etwa “Zu einfach”? KM

  3. So richtig traurig bin ich (relativ häufiger Amrum-Tourist) über den Ausfall dieses an einen Förderturm oder andere Industrieanlagen erinnernde architektonisch-technische Wunderwerk nicht. Sollte es, ähnlich den Aufbauten der neuen Fähren der W.D.R., die die ehemaligen, einmalig tollen Oberdecks ersetzen, uns Touris einstimmen auf die Beschaulichkeit Föhrs und Amrums oder sollte es zu geringeren Fahrkartenpreisen führen?
    Dr. J. Rohwer

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